Tagebuch 31.03.2014: Laufgedanken

Am Samstag stand der letzte lange Lauf vor dem Bonner Halbmarathon an, welcher wie bereits letztes Jahr den eigentlichen Auftakt zu meiner Lauf-Saison darstellt 🙂
20km ging es bei perfekten Bedingungen quer durch den Kölner Süden und so wie ich mich fühlte, hätte ich ewig weiter laufen können!


Es war einfach nur schön! Ich hatte mal wieder richtig Gelegenheit die Seele baumeln zu lassen und hab mich gerade auf dem letzten Stück ganz meinen Gedanken hingegeben. Und dann kam dieser Böse Gedanke:
„Ist nach dem ersten Marathon alles vorbei?“, „Was passiert, wenn ich über die Ziellinie gelaufen bin?“, „Werde ich danach jemals wieder einen Schritt laufen?“
Irgendwie träume ich schon sehr sehr lange davon, eine echte Läuferin zu sein. Ich hab schon sehr früh, also so mit 10 Jahren, die ersten Lauf-Versuche gestartet aber konnte irgendwie nie dran bleiben (es kamen aber auch viiiel wichtigere Sachen dazwischen :D). 
Der nächste Versuch stand an, als ein enger Freund für den Aufnahmetest der Bundeswehr trainiert hat und zu diesem Zweck eine Laufpartnerin gesucht hat. Natürlich habe ich mich gerne bereit erklärt. Unser Training lief immer nach dem gleichen Muster ab: Ich wollte ihn zu Hause abholen (Hoch motiviert in Sportklamotten), er macht die Tür auf: „Ich brauch noch 2min. Komm dich kurz rein, dann rauchen wir noch eine, trinken einen Kaffee und dann können wir los“ Natürlich sind wir nicht mehr laufen gegangen…
Dann vor zwei Jahren schien es endlich „klick“ zu machen und ich konnte mich zu einem regelmäßigen Training durchdringen. Nach den ersten Enttäuschungen, weil ich einfach nicht besser wurde, habe ich mich ein bisschen in die Trainingslehre eingelesen und den Laufeinstieg mit einem ruhigen Intervall-Plan geschafft. (Ja, ich hab übrigens auch aufgehört zu rauchen :D)
Die ganze Zeit, und das ist auch heute noch so, liegt über dem Marathon ein magischer Flimmer. Die Königsdisziplin. Das können wirklich nur echte Läufer. Immernoch stehe ich den 42,195km mit einer unglaublichen Ehrfurcht gegenüber und kann es die meiste Zeit nicht glauben, dass ich mich wirklich angemeldet habe. Diese Distanz zu schaffen bedeutet für mich viel mehr, als hart trainiert zu haben und den verdienten Lohn dafür zu bekommen. Für mich bedeutet der Marathon über mich hinaus zu wachsen, geduldig zu werden und vor allem etwas zu schaffen, was ich ganz alleine zu verantworten habe. Natürlich habe ich tatkräftige Unterstützung von meinen Liebsten und auch für euch, das motiviert mich jeden Tag aufs neue!
Am Ende des Tages muss ich den Lauf aber alleine schaffen.
Ich habe bisher keinen Zweifel, dass ich es schaffen kann. Aber was, wenn der Marathon nach dem ersten Mal seinen Zauber verliert? Habe ich noch Freude, wenn das Kribbeln im Bauch, welches ich jetzt noch bei dem Gedanken an den Start spüre, verfliegt und der Marathon zu einem „normalen“ Volkslauf wird, so wie es bei den 10km-Wettkämpfen und auch dem Halbmarathon ist?
Ist Marathon-Laufen wie eine harmonische Beziehung, die gepflegt und gehütet werden muss, damit sie am Leben bleibt?
Fühlt sich der zweite, dritte, vierte Marathon immernoch nach einer großen Herausforderung an? Was kann ich tun, um den Zauber zu halten?
Puh… das war jetzt alles sehr persönlich und ich hoffe ich habe niemanden mit meiner Emotionalität verschreckt 🙂
Kennt ihr diesen Zauber auch? Und wenn ja, was tut ihr um ihn zu halten?





5 Gedanken zu „Tagebuch 31.03.2014: Laufgedanken

  1. Markus Antworten

    Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen: Der erste Marathon war pure Emotion!! Und ddas wird deiner vielleicht auch. Aber das wirst du selbst herausfinden – davon bin ich überzeugt.
    Was die folgenden Marathons bei mir betrifft war es so dass ich mich bis Nr. 6 zeitlich immer steigern konnte und damit auch richtig glücklich und emotional ins Ziel kam. Weil ich aber wußte das es nicht immer so weitergeht habe ich mir dann einen Bergmarathon rausgesucht. Ganz bewusst einen bei dem ich genießen will. Und das hat mich wirklich verändert! Danach bin ich in Berlin gelaufen. Und hätte Bestzeit laufen können. Aber ich wollte es genießen und haben dann darauf verzichtet! Ganz genauso ging es mir jetzt auch vor 3 Wochen. Mir ist der Genuss viel wichtiger. Und das was mit dem Körper während des langen Laufes passiert.
    Aber ich kann dir hier viel erzählen: Herausfinden musst du es leider ganz alleine. Oder darfst. Es ist nämlich, wenn man Spaß am Laufen hat wie DU, wahrlich ein Genuss!

  2. Dierk Antworten

    Ein sehr schöner Text!
    Ich denke jedes große Ereignis hat ein "Erstes Mal"-Mysterium. Es kommt darauf an, was man anschließend mit den neuen Erfahrungen anstellt. Lass es nicht zur Routine werden und der Zauber bleibt bestehen!
    Ich werde in Bonn am Samstag auch meinen ersten Marathon laufen (hoffentlich – Erkältung :/ ), ob der Zauber danach wirklich weg ist? Ich hoffe nicht!

    Dir wünsche ich ganz viel Spaß und Erfolg am Sonntag!

  3. Meiky Antworten

    Also für mich scheint der Halbmarathon gerade noch unerreichbar, aber habe auch schon viele viele Jahre diesen Gedanken, dass ich unbedingt mal einen Marathon laufen will. Ich wünschte ich könnte auch mal ganz entspannt 20km laufen 😀

  4. Beauty Runner Antworten

    Wow, wirklich ein toller, emotionaler Text! Wenn ich heute an meinen ersten Marathon zurückdenke, dann war es keine Frage ein wirklich großes Erlebnis in meinem Leben, das ich nie vergessen werde. Aber ich bin damals halb-verletzt an den Start gegangen und hab die meiste Zeit eigentlich nur an die Schmerzen gedacht und dass ich endlich ans Ziel kommen will. Alles andere hab ich mehr oder weniger nicht wirklich wahrgenommen, was ich jetzt im Nachhinein sehr schade finde. Erst bei den nächsten Marathons konnte ich den Lauf wirklich genießen und erleben und für mich hält dieser "Zauber" auch noch immer an. Aber dieses Gefühl habe ich auch sehr oft bei ganz "normalen" Läufen nicht nur bei Wettkämpfen. Dankbar zu sein dass man gesund laufen kann, in freier Natur, den Sonnenauf- oder untergang sehen und so ein Marathon ist nur das i-Tüpfelchen von alldem 🙂

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