Laufgedanken: Glücksathleten – ein Blogroll

Ein kleines Phänomen des Ausdauersports:

Eine Szene während des Bonn-Triathlons hat mich nicht mehr losgelassen. Ich war schon sehr früh in der Wechselzone und nachdem ich alles aufgebaut hatte, saß ich auf dem Boden, vor meinem Fahrrad und aß gemütlich mein Frühstück. Um mich herum wurde es natürlich merklich voller und voller und immer mehr Frauen tummelten sich ebenfalls in der Wechselzone. Alle gingen ihren eigenen Ritualen nach, bis eine der Starterinnen den ersten Startschuss des Tages gab:

Vor dem Start:

„Ich mache heute eh langsam! Ich hab nicht viel trainiert und bin echt nicht fit. Ich war in der Vorbereitung immer wieder krank. Manchmal sind halt Job/Familie/Freunde einfach wichtiger, daher kann ich heute nicht viel erwarten.“, „Ich bin im Wasser auf jeden Fall die Langsamste – oder schwimmt hier noch jemand Brust?“, „Für diese hügelige Strecke bin ich eh zu schwer, da kann ich nix reißen!“, „Spätestens beim Laufen holen mich eh immer alle wieder ein, das ist einfach nicht meine Stärke!“

Die Mädels überschlugen sich fast… Ich saß immer noch auf dem Boden und mümmelte mein Käsebrot.

Während des Wettkampfs:

„Platz da! Ich bin Frodo/Ryf persönlich, der wichtigste Athlet/die wichtigste Athletin im Feld!“,“Wasser! Ich will Wasser! Warum sind denn hier alle so unfähig?!“

Im Ziel:

„Heute konnte es ja nichts geben! Ich hab nicht gut geschlafen.“, „Mein Magen hat heute einfach nicht mitgespielt“, „Ich wäre ja gerne schneller geschwommen/geradelt/gelaufen, aber es waren andauernd so lahme Leute vor mir!“, „Immerhin hat es noch für den 5.176 von 11.748 Platz in meiner Altersklasse gereicht…“

Echt jetzt??? Ich dachte, wir sind alle „zum Spaß“ hier und machen Triathlon, weil wir es lieben!?

Glücksläufer

Natürlich ist es der Grundgedanke eines Wettkampfs, sich mit anderen Athleten zu messen. Natürlich vergleichen wir uns ständig – mal mit Anderen, mal mit uns selbst – und gerade dieser Vergleich mit dem bisher Erreichten ist ein starker Motivator.  Bei mir bleibt aber trotzdem oft ein bitterer Beigeschmack über. Mike Kleiß hat es in seiner Kolumne so auf den Punkt gebacht:

Ich kenne Läuferinnen und Läufer, die seit Jahren so gerne zu den Hetzern gehören würden. Aber nicht im Ansatz in die Nähe von guten Zeiten kommen. Vielen bereiten die Erfolgszeiten, die andere in den sozialen Netzwerken posten, Frust. Und fürchterlich traurig ist: Einige geben das Laufen durch diesen Frust sogar auf. (…) Ich lege mich fest: Es gibt Millionen von Glücksläufern, die das Hetzen der anderen zwar irgendwie bewundern, es aber auch Quatsch finden..

Ich glaube, was für Läufer gilt, gilt auch für Triathleten. Mit dieser Art von Glücksläufern kann ich mich zu 100% identifizieren. Ich habe eine kleine Liste mit Zeiten über unterschiedliche Distanzen, die ich gerne erreichen möchte, weil ich dann, in meinen Augen, „schnell“ bin.

Fluch oder Segen?

In meinem Interview mit Mathias vom MyGoal-Team habe ich von meiner Startpanik berichtet und davon, wie mich diese Liste zunehmend unter Druck gesetzt hat. Heute habe ich einen Weg gefunden, sie eher als Motivation zu Nutzen. Sie erinnert mich daran, was ich mir insgeheim (irgendwann) zutraue. Ich muss mich trotzdem immer und immer wieder daran erinnern, dass auch die Zeiten auf dieser Liste nur Zahlen sind. (Gleiches gilt übrigens für „Kleidergröße“ und „Gewicht“…) Es ist ein ständiger Drahtseilakt.

In Zeiten von Internet und SocialMedia ist man aber zum Glück nie alleine und daher gibt es hier eine kleine Übersicht der Athletinnen, die mich immer wieder erinnern, warum ich mit so viel Herzblut bei der Sache bin. Die Aufzählung ist nicht abschließend und die Reihenfolge eigentlich zufällig.

Blogroll

  • Ganz oben auf dieser Liste steht Christina alias Die Rennschnecke – ich habe selten von einer Athletin gelesen, die sich nicht beirren lässt und so straight ihren Weg geht, auch wenn dieser nicht den „traditionellen“ Verlauf nimmt, ihr Ziel immer fest im Blick. Ich bewundere sie dafür sehr und freue mich mit ihr, wenn sie eines ihrer Ziele erreicht!
  • Dann ist da noch die liebe Kilometerkaotin von den Cologne Running Girls – Caro versprüht einfach eine unglaublich positive Energie, die absolut ansteckend ist. Als Mitgünderin von „Plogging-Cologne“ läuft sie nicht nur für sich, sondern tut bei dieser Gelegenheit etwas für die Umwelt und macht unsere schöne Stadt  noch etwas schöner!
  • Din von eiswuerfelimschuh.de ist wohl die professionellste Athletin auf meiner Liste.  Sie war sicher einer der Gründe, warum ich mich mit der Zeit auch zum Triathlon hingezogen fühlte. Ihre Disziplin gepaart mit der Leichtigkeit und vielen nützlichen Tipps auf ihrem Blog motivieren mich sehr. Besonders gefällt mir, dass eben die oben genannten „Zahlen“ absolut nicht im Vordergrund stehen, obwohl sie es hin und wieder ganz oben auf ein Podium schafft.
  • Kennt ihr schon Maren von ichhasselaufen.? Sie setzt sich unermüdlich für die „Frauenquote“ im Radsport ein und scheut dabei keine Auseinandersetzung. Sie deckt viele eingefahrene Strukturen auf und zeigt dabei allen anderen Mädels im Radsport: „Ey, ihr seit nicht allein, wir sind viele und zusammen können wir echt was verändern!“
  • Nicht erst seit dem Ironman Frankfurt eine persönliche Heldin ist Anita von ahornzeit. Sie ist ambitionierte Hobbyathletin, bei der man das Gefühl hat, dass ihr der Sport nur so zufliegt. Sie ist eine unglaublich positive Frau und zeigt in ihrem Trainingsalltag, wie viel Arbeit, wie viel Freude aber auch wie viele Tränen hinter einem so erfolgreichen Ironmanfinish liegen.

Bleiente/Radverrückt/Laufliebe

Für mich steht die Freude am Sport an aller erster Stelle. Es ist mein Ausgleich zum oft stressigen Alltag, mal ist es Zeit für mich, mal genieße ich die Zeit mit meinen Freunden. Ich bin sowohl Hetzer als auch Glücksathlet. Dass ich körperlich gelegentlich an meine Grenzen stoße, ist dabei Anstrengung und Entspannung zugleich – erinnert mich daran, was ich alles erreichen kann. Kommt doch mal Frust auf, habe ich gelernt sehr lösungsorientiert zu denken, die Fehler zu finden und beim nächsten Mal besser zu machen. Das nehme ich jeden Tag mit in mein Leben „neben dem Sport“ und schlussendlich hilft mir meine Leidenschaft für den Triathlon somit in (fast) jeder Lebenslage.

 

Wie stehts denn bei euch? Hetzer oder Glücksathlet? Wie schafft ihr die Balance zwischen Hetzer und Glücksathlet? Habe ich in meiner Liste eine wichtige Athletin vergessen?

4 Gedanken zu „Laufgedanken: Glücksathleten – ein Blogroll

  1. Markus Antworten

    Glücksathlet! Auch wenn mir das mal wieder niemand glaubt 🙂
    Man kann auch bei einer anderen Pace einfach nur Spaß haben wollen 😉

    • meckycaro Autor des BeitragsAntworten

      Ich glaube dir das 🙂
      Du bist echt immer mit sehr sehr viel Freude dabei, würdest aber niemals auf Kosten anderer unbedingt schnell laufen wollen! Und wenn es mal nicht läuft, beißt du eher die Zähne zusammen, als schon vorher/nachher die Schuld bei irgendetwas anderem zu suchen (y)

  2. Caro Antworten

    Glücksathlet mit kleinen, schwachen Momenten, in den ich mich dann doch zu langsam, zu dick, zu schwach, zu irgendwas finde. Um mich dann daran zu erinnern, warum ich das alles mache. Aus Spaß an der Freude? Schön, dass wir uns kennen gelernt haben! Und danke für deine lieben Worte hier!

  3. Petra Antworten

    Liebe Caro danke, dass du mir mit soviel Spaß und Geduld das laufen wieder beigebracht hast?bis hin zum Halbmarathon ?ja ich bin heute eine glücksläuferin und es macht zuallererst Spaß und Freude zu laufen???Petra

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