Wettkampf: Drachenlauf 2015

Es ist ja nichts Neues, dass ich gelegentlich unter völliger Selbstüberschätzung leide 😀 So kam es, dass ich mich am Morgen der Zeitumstellung an der Startlinie des Drachenlaufs wiederfand…

Hier kurz die Fakten:

  • ca. 26 km
  • 1.000 HM
  • zu bewältigende Berge: großer Ölberg, Magarethenhöhe, Löwenberg, Drachenfels, Petersberg
  • Zeitlimit: 4 Stunden, drei Kontrollpunkte
  • ca. 10 Trainingskilometer im letzten halben Jahr
  • längste gelaufene Strecke seit April: 12 km
  • trainierte Höhenmeter: 0
Die Atmosphäre und die Landschaft sollten aber so schön sein, dass das alles halb so schlimm wird. Ich rechnete nicht wirklich damit, dass ich es (wenn überhaupt) innerhalb der Cut-Off Zeit ins Ziel schaffe, aber nun war ich angemeldet und stand, zusammen mit meinem Lauftreff, an der Startlinie.
Das Teilnehmerfeld war eigentlich sehr übersichtlich und so ging es mit ein paar Minuten Verspätung auf die Strecke.
Ich bin (natürlich) viel zu schnell angelaufen und das obwohl der Drachenlauf direkt ernst macht. Es ging nur um eine Ecke und dann immer bergauf. Zum Glück zog sich das Läuferfeld sehr schnell auseinander, sodass ich langsamer Laufen konnte…
Meine Strategie war übrigens: Jede Steigung gehen, und bergab so schnell es meine Koordination und Geschicklichkeit zulässt.
Ganz bewusst hab ich den Kilometer-Alarm an meiner TomTom ausgestellt. Ich wollte mich unter keinen Umständen unter Druck setzen. Ziel war schließlich überhaupt zu starten und, im besten Fall, irgendwie anzukommen.
Ich wartete ganz gespannt auf den Punkt, wo ich erbarmungslos einbrechen würde… Die Berge hinauf ging es im Schneckentempo und runter dann in einem Schnitt von 5:30min/km und einem Puls, welcher in diesem Tempo nich nie so niedrig war 😀

Neben den Steigungen hatten auch die Wege es in sich. Die Strecke führte nur wenige Meter auf Waldwegen. Oft ging es auch querfeldein und man musste unter den Blättern mit Löchern oder Wurzeln rechnen.
Das war für mich auch eine große Herausforderung, schließlich hab ich in diesem Bereich echt sehr wenig Erfahrung und laufe ja eigentlich nur auf der Straße. Aber Kilometer für Kilometer fand ich mehr Spaß an dem Lauf. Die Landschaft war wirklich sehr sehr schön. Ich konnte es wirklich genießen und langsam freute ich mich richtig, dass ich gestartet war 🙂
Auf dem Weg hoch zur Löwenburg kamen mir viele viele glückliche Läufer entgegen und oben wartete dann einer der tollen Helfer, der wirklich jedem Läufer auf die Schulter klopfte und uns weiterhin viel Erfolg wünschte 🙂
Bis zum Drachenfels ging es dann tendenziell bergab und ich konnte mich wirklich etwas entspannen und ein bisschen erholen.

Schade, dass es an diesem Vormittag so diesig war – die Aussicht von dort oben ist wirklich sehr sehr schön 🙂
Oben angekommen dämmerte mir, dass ich es wirklich schaffen könnte. Auch wenn der schlimmste, längste und steilste Anstieg noch bevorstand, hatte ich drei Berge ja schon hinter mir gelassen 🙂
Natürlich schmerzten langsam aber sicher die Oberschenkel und ich hatte, besonders vor dem Petersberg, einen riesen Respekt, aber: If you don’t try, you won’t know.
Also ging es erstmal bis ganz unten ins Tal. Unten gab es dann noch eine Verpflegungsstation und natürlich aufmunternde Worte von den tollen Helfern 🙂
Jetzt hieß es: Zähne zusammen beißen und durch.
Es war ein 2km langer Anstieg zu bewältigen auf nicht-befestigten Wegen und mit einer Steigung von gefühlt 20%…
Ich konnte nicht mehr denken, nicht lächeln und auch nicht fluchen. Einfach nur einen Schritt nach dem anderen und hoffen, dass es bald vorbei ist!
Wahnsinn, wie anstrengend das war! Mein Respekt, ja eher meine Angst vor diesem Berg war voll begründet und die Helfer im Tal haben nicht zu viel versprochen…!
Das war auch der Moment in welchem ich mir so einen chicen Walking-Wander-Stock gewünscht habe 😀 Manchmal kann der echt hilfreich sein, auch wenn er die meiste Zeit wahrscheinlich total lästig ist, da man ihn ja mitschleppen muss!
Zum Glück hat jede Steigung irgendwann ein Ende und zur Belohnung gab es oben dann ein Schlückchen echte Drachenblut:
Ich konnte dem Sekt nicht widerstehen, auch wenn er natürlich direkt in den Kopf geschossen ist 😀
Die Helfer waren auch an dieser Station total motivierend und einfach toll! Andere Läufer verteilten Salz um den Krämpfen entgegen zu wirken und schon ging es auch wieder bergab.
Von hier aus waren es nur noch knapp 3km bis ins Ziel. Ich rechnete ein wenig und sollte es knapp in 3:45h ins Ziel schaffen.
So kam es dann auch 🙂
Empfangen wurde ich von meinem Lauftreff 🙂 Ich hätte echt platzen können vor stolz! Nicht nur, dass ich wirklich gestartet war. Ich hab es innerhalb der Zeit ins Ziel geschafft und sogar noch knapp 10 Läufer hinter mir gelassen 😀

Wer hätte das gedacht???

Es war wirklich, wirklich mit Abstand der anstrengendste Lauf, den ich jemals absolviert habe, ich bin aber auch den tollsten Helfern der Welt begegnet – Ohne sie hätte ich bestimmt irgendwann einfach aufgegeben!
Auch der Muskelkater in der nächsten Woche war tagelang schlimmer als nach einem Marathon!
Ich habe mich Mittwochs erst ins Schwimmbad getraut. Mit sehr schweren Beinen und der Hoffnung, dass es nach dem Schwimmen ein bisschen besser ist 🙂

Eine wahnsinnige Erfahrung, die wieder einmal zeigt, dass wir unserem Körper sehr viel mehr abverlangen können, als wir glauben! Nein, das Trailfieber hat mich nicht gepackt, aber als Abwechslung zwischendurch war es genau das richtige!
Vielen Dank an Marcus für die Bilder und auch dem Lauftreff fürs Mitnehmen und die ganze Motivation!
Ich hab es wirklich so gut wie nicht geschafft auch Bilder zu schießen, weil ich mit Laufen so beschäftigt war!

Ich hatte mich übrigens für meine Brooks Adrenaline GTS entschieden. Sie boten mir viel Halt und natürlich viel Komfort auf den 26km. Für so ein Trail-Abenteuer braucht man also wirklich nicht extra spezielle Schuhe. Weiterer treuer Begleiter war die TomTom Multisport Cardio.