Wettkampf: Deutsche Post-Ladies Run Essen

Hallo ihr Lieben 🙂
wie ihr euch bestimmt erinnert, habe ich vor ein paar Wochen zwei Startplätze für die Laufserie „Deutsche Post-Ladies Run“ verlost. Gewonnen hat die liebe Katharina von Blaubeer. Hier ist nun ihr Bericht, von ihrem ersten Wettkampf 🙂

Hallo liebe Leser von Caros tollem Laufblog!

Nachdem ich bei Caros Gewinnspiel mitgemacht habe und einen tollen Platz beim „Deutsche Post Ladies Run“ gewonnen habe, dachte ich zunächst einmal: „Oh mein Gott! Was hast du denn da schon wieder gemacht? Wie sollst du das denn schaffen und bin ich überhaupt schon bereit dafür?“ 
Mein Vorgehen war eine ganz typische Katharina-Aktion. Abends schön durch die Bloggerwelt gesurft und sich Zeug durchgelesen und dann plötzlich prankt es ganz groß: GEWINNSPIEL!
„Gewinnspiel? Da bin ich doch dabei!“ – dafür müsst ihr allerdings wissen, dass ich noch nie in meinem Leben etwas wirkliches gewonnen habe. Wie ich dann also geguckt habe, als ich mein Postfach öffnete und mir entgegen blinkte, dass ich gewonnen habe, könnt ihr euch dann wohl auch denken.

Nun gut, irgendwie in Panik habe ich dann zuerst meinem besten Freund geschrieben, dass ich da mal wieder einen Rat bräuchte und wieder mal blauäugig in irgendwas reingeraten bin: „Du packst das doch, du läufst jeden Tag und da fällt es dir doch nicht schwer noch mal „schnell“ auf 10km zu trainieren.“, sagte er mir dann. Und ich dachte mir: „Ja, du hast recht – ich pack das auf jeden Fall!“
Bei meiner Suche nach Menschen die mit mir laufen möchten, bin ich leider kläglich gescheitert und es war irgendwie mein Glück, dass ich mich noch nicht vorzeitig angemeldet habe, denn es ging mir gesundheitlich nicht wirklich super und so habe ich meine Anmeldung für 5km abgegeben.
Mein Trainingsplan konnte ich nicht einhalten, also bin ich hin und wieder mal 4km und an guten Tagen 6km gelaufen und war fertig mit der Welt, als ich zu Hause angekommen bin. Ich bin einfach mal ehrlich und sage, dass ich bis vorgestern dachte, dass ich einfach keine Lust habe, denn, wenn es einem körperlich wirklich nicht gut geht, dann hat man einfach keine Lust auf sowas und da ich ein Mensch bin, der sich selbst dann auch noch Druck macht, stand ich einfach unter Hochspannung.
Das alles änderte sich gestern dann ganz spontan, als ich mir das „Ladies-Town“ angeschaut habe, um meine Startnummer herauszufinden. Mit dem Abholen meiner Startunterlagen, fand ich nämlich, kann man einfach gar nichts falsch machen. Der Weg von mir zu Hause bis zum Kennedyplatz in Essen, wo die zahlreichen Zelte aufgebaut waren, beträgt 3km. Ich habe also die Gunst der Stunde (und den Zeitdruck unter dem ich stand) genutzt, habe meine Laufschuhe geschnürrt und hingelaufen.

Das Town an sich fand ich eigentlich ziemlich unspektakulär. Es gab zwar ein paar Zelte (oder war es nur ein Zelt?) mit Sportartikeln, aber das hat mich a) nicht wirklich interessiert und b) die paar Damen auf dem Platz auch nicht.
Passend zur angekündigten, kostenlosen Zumbastunde bin ich übrigens am Samstag angekommen und auch die Zumbalehrerin stand sehr verloren auf der Bühne und tanzte vor sich hin, während alle anderen nur sehr zögerlich, bzw. gar nicht, dazu bewegt werden konnten sich zur Musik zu bewegen.
Ganz offen zugegeben, ist sowas aber auch überhaupt nichts für mich. Ich laufe eben, weil ich laufen mag und tanze wenn ich tanzen möchte – und als aller letztes, tanze ich in der Öffentlichkeit, am hellichten Tage auf dem Kennedyplatz in Essen. Das dachten sich wohl auch ein paar mehr, außer die beiden Damen die vor der Bühne meines Erachtens eher lustlos ihre Arme schwenkten. Na ja, der Wille war da! 😉

Als ich dann meine Startunterlagen abholte, mir die Tüte so gut wie es ging um den Körper bandelte und mich gerade auf den Rückweg nach Hause machen wollte, schoßen mir dann doch die ersten Tränchen in die Augen: „Ich tue das gerade wirklich! Ich nehme an meinem ersten Run teil!“, dachte ich nur. Es war ein schönes Gefühl, wirklich.
Zu Hause angekommen bastelte ich schon die Startnummer mit den Nadeln an mein Shirt. Der Abend endete, ganz anders als bei anderen, natürlich super ambitionierten, Läuferinnen mit einer Feierlichkeit und dementsprechend auch ein wenig Alkohol. Das ist aber tatsächlich kein Problem, ich bin es gewohnt meinen Kater wegzulaufen. Hihi.

Der Morgen danach: Nach unglaublichen 4 Stunden schlaf weckte mich hervorragendes Wetter und ich war aufgeschmissen. Warum? Ich laufe eigentlich nur an zwei Zeiten undzwar entweder direkt nach dem Aufstehen oder direkt vor dem ‚ins Bett gehen‘. „Was esse ich? Was essen Läufer? Und wann? Und wie? Und was am Besten? Und wieviel trinke ich? Muss ich dann nicht andauernd pinkeln?“, das sind die wahren Gedanken einer Anfängerin. Nachdem mir übrigens noch ein wenig flau im Magen war und noch so gar nicht nach Essen, habe ich es dann bei einer Banane, einem Fruchtriegel und Wasser belassen.
Der Startschuss war für 15.00 Uhr angesetzt, also haben mein Freund und ich uns um 14.15 auf den Weg gemacht, denn wie schon erwähnt, brauche ich das ganze Drumherum einfach nicht. Ich muss nicht angeheizt werden und ich brauch keine Massage – das Einzige was ich wirklich brauche und womit ich dann auch absolut zufrieden bin, sind Toiletten. Und die gab es, also war alles gut.

Ich reihte mich ein undzwar wirklich weit hinten. Da ich noch nie vorher an einem Wettkampf teilgenommen habe, habe ich das eigentlich für das Beste gehalten – doofe Idee, wie ich im Nachhinein feststellte, aber dazu gleich mehr.
Die Stimmung war ganz gut, ausgelassen und alle hatten Spaß. Um mich herum standen noch viele, die auch ihren ersten Wettkampf liefen – NEIN, ich habe nicht mit ihnen geredet, ich bin schüchtern, aber ich bin eine gute Zuhörerin und Beobachterin.
Noch 5 Minuten bis zum Startschuss. Mein Herz klopfte in allen Gliedmaßen und ich dachte kurz, dass es vielleicht doch keine besonders brillante Idee ist mitzulaufen. Irgendwie hat sich mir der Sinn auch noch gar nicht so wirklich erschlossen: Ich habe meine Zeit nicht nehmen lassen und ein Zielfoto habe ich auch nicht gewollt – also ein ganz normaler Lauf, ganz ohne Druck.
Hier weiß ich, dass ich auf jeden Fall das nächste Mal meine Zeit nehmen lasse. Ich habe mir zwar gedacht, dass ich einfach beim Einlauf auf die riesige Uhr schaue, aber natürlich vergißt man das absolut. Runtastic sagt, ich habe 35 Minuten gebraucht. Da ich es aber gut 3 Minuten früher angemacht habe, habe ich vielleicht nur 32 gebraucht. Da es dann aber auch noch ewig gedauert hat, bis ich über die Startlinie gelaufen bin, vielleicht nur 31 und bis ich dann wirklich in einem schnellen Tempo war, hat es dann nochmal gut fünf Minuten gedauert. 
Memo an mich also: „Wenn du deine Zeit nehmen lässt, musst du dir gar keine Sorgen mehr machen – entweder es interessiert dich im Nachhinein, oder aber nicht!“

Der Start: Bis der ganze Spaß ins Rollen gekommen ist, hat es ewig gedauert. Ich und meine Mitläuferinnen sind wirklich sehr, sehr zäh angelaufen, dann wieder gestockt und dann wieder schneller. Hier ist einfach mein Fehler gewesen: Hätte ich mich viel weiter vorne eingeordnet, hätte ich mit einem anständigen Tempo starten können und mich dann langsam an meine Geschwindigkeit anpassen können. So war es einfach ein Auf und Ab und um ehrlich zu sein, war es ein furchtbares und ziemliches Gedrängel.

Essen ist bei weitem keine tolle Stadt, aber Platz gibt es eigentlich genug. Ich und viele andere, haben sich also gefragt, wieso die Laufstrecke zunächst Gehwegbreite hatte. Ein entspanntes Loslaufen war einfach nicht möglich und gar nicht unweit vom Start, vielleicht 400 Meter, ist eine Frau über die Absperrgitter gestolpert und gestürzt. Das habe ich immer wieder beobachten können: Stürzende Menschen, stürzende Ordner. Doof.
Irgendwann habe ich mich freigelaufen, aber durch das ganze auf und ab, habe ich ziemlich schnell Seitenstiche bekommen.
Die Strecke ging 70% Berg auf, was natürlich auch für Anfänger nicht einfach ist. Ich kam eigentlich ganz gut damit zurecht.
Zunächst ging es vom Kennedyplatz bis zum Essener HBF, anschließend die ganze Kettwigerstraße runter und dann durch die Gassen wieder zurück zum Kennedyplatz. Für mich 2x, für 10km Läufer 4x.
Problem hier: Meiner Meinung nach, waren für eine Stadt wie Essen, einfach viel zu wenig Ordner eingesetzt. Ich persönlich hatte keine großen Probleme. Wer Essen allerdings kennt, weiß, dass es fernab vom HBF nicht ganz so schön ist. Anstatt Menschen, die einen Anfeuern und jubeln, standen am Ende der Kettwigerstraße viele Menschen, na ja, wie sage ich das jetzt am Besten, damit es nicht abwertend klingt?
Es standen einfach viele Menschen, die sich schon bei Tagesanbruch ordentlich die Kante geben. Einige von ihnen haben doch ein wenig „Mut“ machen wollen, allerdings habe ich auch oft Sprüche gehört wie: „Gelb steht dir nicht!“, „Geht das nicht schneller?“ oder, mein absoluter Favorit (lallend/brüllend): „Wat soll dat denn eigentlich hier? Habt ihr keine anderen Hobbies? Trinkt euch ma n Bier!“
Na Prost-Mahlzeit. Ich fand es einfach doof und ungemütlich für Menschen, die Essen vielleicht noch nicht so kennen – aber wie dem auch sei.

Durch Baustellen ging es dann wieder durch ein paar Engpässe wieder Bergauf und dann in die zweite Runde. Hier fand übrigens auch der berühmte Kampf um den Wasserbecher statt. Ich finde, dass einige Läuferinnen einfach mehr Rücksicht hätten nehmen können. Teilweise, so hat mir mein Freund erzählt, haben sie einfach halbvolle Becher achtlos ins Publikum (ich hoffe und denke, dass das einfach eine Bewegung im Laufen war und keine Absicht) geworfen, eine andere Läuferin war pitschnass, weil die Dame vor ihr einfach ihren Becher hinter sich geworfen hatte: Auf sie drauf.
Ich finde ja immer: „Wettkampf hin oder her, aber Rücksicht und Respekt gegenüber allen Läufern sollte schon drin sein. Da darf man auch mal in seinem Lauf ein wenig die Augen aufmachen und seine Gehirnzellen einschalten!“ Oder?

Im Grunde gibt es hier übrigens dann nicht viel Neues zu berichten. Mir ist nur dann aufgefallen, dass die Strecke irgendwie umständlich abgesperrt war, z.B. war die Strecke bei einem Café so ungünstig gelegt, dass das Café an sich und die Sitzplätze durch die Strecke getrennt waren, so die ganze Zeit Kellner gewartet haben, bis sie hektisch die Strecke überquert haben, um zu bedienen.

Der Zieleinlauf: Ich bin den Berg hochgelaufen, mein Herz hat so sehr geklopft und ich konnte es kaum glauben, dass ich gleich in ein Ziel einlaufen werde. Ich quälte mich die letzten Meter den Berg hoch und als sich die Strecke, wirklich gut und durchdacht teilte, wählte ich den Zieleinlauf. Ich sammelte nochmal all meine Ressourcen und spurtete los. Dann hörte ich meinen Namen: „Katharina ist auch ins Ziel gelaufen!“
Yeah! Ich bin ins Ziel gelaufen. Ich war noch ganz unter Strom und lief erstmal an jeglicher Verpflegung vorbei, musste erstmal ein wenig runterkommen und war erstaunt, wieviele tolle Dinge es gab. Von Chips bis hin zu Kokosnusswasser und Babybananen war alles vorhanden (und lecker war es auch!)

Fazit: Obwohl mein Bericht vom Lauf echt negativ klingt, war es ein tolles Erlebnis. Natürlich frage ich mich, was die Organisatoren sich bei so engen Gassen denken und finde auch das mit der (meiner Meinung nach) zu geringen Ordnerzahl echt ungelungen, aber es war eben mein aller erster Wettkampf. Es hat mir Spaß gemacht und jetzt weiß ich einfach, wofür man Wettkämpfe läuft. Sie motivieren und zeigen einem was man kann. Sie zeigen einem, wie weit man kommen kann, wenn man nur wirklich möchte und das man immer über sich hinaus wachsen kann.
Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich vielleicht auch die 10km hätte schaffen können, aber für’s Erste reichen doch die 5km und ich bin tierisch stolz auf mich, dass ich das gemacht habe. Noch vor einem Jahr ist es für mich undenkbar gewesen, dass ich jemals mehr als 1,5km am Stück laufen kann und nun habe ich doch 5km geschafft. Es ist einfach ein Gefühl, was niemand sonst einem geben kann. Ein Gefühl was ganz aus dem eigenen Körper heraus kommt, aus der eigenen Willensstärke – und die habe ich und damit hab ich nicht gerechnet. Ich habe während des Laufs immer wieder gemerkt, dass ich mir dachte: „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr – wenn ich jetzt einfach aufhöre, dann interessiert es doch auch keinen!“ und gleichzeitig war ein: „Du machst das, du schaffst das und du hältst das durch, denn das hier ist das, was du tun möchtest. Und was du angefangen hast, dann beendest du das. Aufgeben kommt einfach nicht in Frage und das weißt du auch, also hör endlich auf dir übers Aufgeben gedanken zu machen und genieße deinen Lauf. Genieße deinen Lauf so, wie du ihn genießen kannst.“

Es ist ganz toll, dass ich die Chance hatte diesen Lauf mit zu laufen. Hätte ich ihn nicht gewonnen, hätte ich niemals herausgefunden, dass mich soetwas ein Stück weit erfüllt und ich danke dir liebe Caro, dass du mir das ermöglicht hast. Ich danke dir so sehr. Für die Organisation kann ja niemand etwas, bis auf die Organisatoren, aber im Endeffekt ist ja alles glatt gelaufen und das freut mich dann doch sehr.

Falls ihr also daran zweifelt, ob ihr bei soetwas mitmachen könnt, also rein menthal, dann kann ich euch nur empfehlen es zu versuchen.

Liebe, liebe Grüße,
Katharina