Laufgedanken: Das mit dem Kopf und das mit dem Körper

Es ist endlich Wochenende. Sonntag, um genau zu sein. Die letzten Tage liefen sehr ruhig. Bisher gab es nur ein kleines Stabi-Training am Samstag – ansonsten war Zeit für Regeneration. Natürlich kribbeln jetzt schon die Füße. Ich freue mich wahnsinnig auf den geplanten Lauf im Wohlfühltempo. Meine liebste Laufstrecke, die bequemsten Laufschuhe und das Finale vom Hörbuch, draußen ist es bewölkt, aber trocken – die Definition eines perfekten Sonntag-Lauf.
Noch im Bettchen lese ich den Artikel von Lauvernarrt über die Sache mit dem Zunehmen. Innerlich stimme ich ihr zu, finde mich in dem Artikel wieder. Auf der anderen Seite bin ich dankbar, dass mir diese Gedanken länger nicht mehr kamen und ich im Moment ein sehr positives Körpergefühl habe. Das Training läuft echt gut und der Körper dankt es mir mit viel Energie und guter Laune. Geht es dem Körper gut, geht es auch der Seele gut.

Nach dem Frühstück schmeiße ich mich also in die Laufklamotten. Die Uhr findet schnell ein Signal und schon geht es in Richtung Forstbotanischer Garten. Die Landschaft dort ist sehr abwechslungsreich, aber dennoch kenne ich jeden Winkel und auch jeden Waldweg, sodass ich mich voll und ganz auf das Hörbuch konzentrieren kann.

„Der Frühling ist da!“, denke ich freudig, als mir mehr Spaziergänger als sonst entgegen kommen. Schon ein paar Augenblicke später wird mir bewusst, was Frühling bedeutet: POLLENALARM

Umso weiter ich in Richtung Wald laufe, umso mehr Tränen die Augen und das Atmen fällt schwer. Meinen Heuschnupfen hat mich, mal wieder völlig überraschend, volle Breitseite erwischt. Es nervt unendlich. Aber ich hab keine andere Wahl: Tempo rausnehmen und Anti-Allergika ab auf den Einkaufzettell…

Ein paar Tage später stehe ich auf der Bahn. Die neuen Schuhe wollen schließlich eingeweiht werden. Nach dem Einlaufen und dem Lauf-ABC gibt der Trainer eine Pyramide vor. Ich laufe also los. Die ersten (kurzen) Intervalle laufen so naja. Es ist mir ein Rätsel wie ich an der Spitze 2 bzw. 3 schnelle Runden laufen soll. Meine Herzfrequenz schießt nach oben und mein Körper möchte meinem Kopf sehr glaubhaft klar machen, dass wir eigentlich nicht mehr können.

Das erste Mal schiebe ich diese Gedanken bewusst zur Seite. Meine Versorgung hat gepasst und eigentlich gibt es keinen Grund die Intervalle nicht zu laufen. Das erste Mal wird mir klar, dass es oft der Kopf ist, der meinen Schweinehund und mich schön in der Komfortzone hält. Von Tempohärte keine Spur. Schon eine Runde später sind die Wehwehchen weg und der Kopf ist ausgegangen. Ich setze einfach einen Fuß vor den anderen und freue mich über jede Trabpause. Das ist wohl das Ende der Komfortzone aber gleichzeitig der direkte Weg zu neuen Bestzeiten.

Das sind zwei kleine Beispiele für den sehr schmalen Grad zwischen „Ich kann nicht mehr“ und „Ich will nicht mehr“. Ich glaube, dass die Bestleistung immer genau in der goldenen Mitte ist. Wir sind Freizeitathleten und genießen den Luxus, dass der Sport nicht unser Leben finanzieren muss. Alles was wir tun, sollten wir mit Leidenschaft tun, aber immer so, dass es gesund ist und wir dem Körper etwas gutes tun. Ich habe für mich in den letzten Wochen festgestellt, dass ich mehr an meiner mentalen Stärke arbeiten muss. Ich glaube ich bin in der Vergangenheit nur selten an meine körperlichen Grenzen gestoßen. Dadurch war ich natürlich oft enttäuscht und habe nun lange überlegt, wodran es denn lag. Meine Aufgabe bis zum Frankfurt-Marathon heißt also: mentales Training um genau den richtigen Punkt zu finden, um das bestmögliche heraus zu holen, Stolz auf meine Leistung zu sein und meine Gesundheit nicht aufs Spiel zu setzen 🙂

Mal wieder eine Mammut-Aufgabe, aber keine die ich nicht bewältigen werde – und wenns einfach wäre würde es ja auch jede/r machen.

Habt ihr Tipps für mentale Stärke? Wie tritt man dem Schweinehund während dem Laufen am besten in den Hintern?